Berlin-Hamburg

Berlin-Hamburg

Schwacher Sonnenuntergang hinter benebelten Kühen. Rote Züge auf Abstellgleisen. Brandenburg wird langsam durchsichtig und mein Herz immer weiter. Eine Auszeit winkt. Gleich erreichen wir Ludwigslust. Welcher Ludwig wohl an diesem Ort seine Lust hatte? Die Frau gegenüber ist über der Süddeutschen eingeschlafen. Also, der Zeitung. Die Frau neben mir, die in Wittenberge zugestiegen ist, ist so blond, dass ich kurz blinzeln muss.
Der amerikanische Geschäftsmann, interessanter Typ, gutaussehend, hat sein Wall Street Journal mal zur Seite gelegt und einen Roman hervorgeholt. Oh damned, jetzt telefoniert er, und wenn er „grüß Dich“ sagt, klingt er tatsächlich ein wenig wie Howard Carpendale. Schade. Gschrüß Disch. Deine Spuren im Sand. Geh doch, ich sage Dir geh doch.
Brandenburg um mich hat wieder Fahrt aufgenommen, kämpft noch um die letzten Sonnenstrahlen, wird jeden Moment ausgezählt. 9, 10, knocked out. Und in mir wird es immer heller. Eine Mutter geht mit ihrer etwa 4jährigen Tochter den Gang entlang. „Komm, Schatz, wir gehen noch was zu trinken kaufen für Hamburg.“ „Ja, Mama, Bier! Bier!“ Kein Erdboden tut sich auf, da muß sie jetzt durch.

Platz 86. Wagen 6. Großes Kino.