Sehnsucht nach dem Sommerloch

Was für ein Sommer.
So sehr man danach suchte, kein rechtes Sommerloch wollte sich auftun. Sami A., Donald T., Chemnitz, Lunapharm, irgendwas war immer und schön war es selten. So dass man sich irgendwann im Stillen richtig danach sehnte, jemand möge endlich ein Krokodil im Baggersee aussetzen. Mir fehlte etwas ohne dieses vertraute Gefühl heiterer gemeinschaftlicher Aufregung unter der Sommersonne.

Gut, da gab es schon ein paar Randnotizen, die mir Spaß gemacht haben.
Dass die Drogerie Kette dm das Parfum von Helene Fischer, nachdem dieses beim ÖKOtest mit ungenügend durchgefallen war, mit Warnhinweisen versehen hat, zum Beispiel. In diesen wird darauf hingewiesen, dass man die Substanz nicht rauchen, nicht anzünden und nicht in die Hände von Kindern gelangen lassen sollte. Bis hierhin ist das ist noch nicht so überraschend. Aber dm riet weiter – und da wird es wirklich interessant – dass die Freisetzung des Duftes in die Umwelt vermieden und der Behälter stets dicht verschlossen gehalten werden sollte. Wenn man es dennoch wagen wolle, seien Schutzhandschuhe und eine Atemschutzmaske zu empfehlen.
Eine Atemschutzmaske bei einem Parfum zu empfehlen – das finde ich schon ganz groß. Mit der außermusikalischen Vermarktung Helenes scheint es also noch nicht so ganz rund zu laufen. Der Duft heißt übrigens „That´s me“. Möglicherweise könnte man überlegen, ihn umzubenennen. „Atemlos“ wäre doch vielleicht ganz schön.

Eine weitere famose Meldung: Winnie Puuh Verbot in China. Ich wollte es erst gar nicht glauben, aber der Kinofilm Christopher Robin darf auf Anordnung des Regierungschefs Xi Xinping in China nicht gezeigt werden. Das Beste daran ist der Grund: Winnie Puuh sieht ihm so ähnlich, dass das seine Autorität untergräbt. Vor Jahren waren erstmals Bilder aufgetaucht, die diesen Vergleich anstellten, als Barack Obama auf Staatsbesuch in China war. So sind Winnie Puuh Abbildungen und nun auch der Film landesweit verboten worden.

Ja und dann war ja da noch vorneweg – quasi so eine Art ganz unverhofftes Sommerloch, manch einer mag sich erinnern – diese unselige Fußball-WM. Und ich persönlich habe kaum Chancen, sie zu vergessen. Denn immer noch hängen beim Kieser Training, wo ich seit Juli Mitglied bin, diese Plakate aus dem Juni aus. Darauf sieht man einen gut aussehenden grauhaarigen Mann vor einem Fernseher, wie er mit betont gesunden Knien die gestählten Arme nach oben reißt.
Ich zitiere:
„Haben Sie schon den Körper, den Sie für kräftigen WM-Jubel brauchen? Sind Ihre Muskeln bereit zum Jubeln, wenn Deutschland bei der Fußball-WM ein Tor nach dem anderen schießt?“

Was den Jubel für die deutsche 11 in diesem Sommer angeht – sagen wir so, mein Körper war bestens vorbereitet. Hängende Schultern kann ich 1A. Konnt´ ich schon immer.
Deshalb bin ich ja hergekommen, eigentlich.
Nicht nur meine Haltung wollte ich verbessern, ich hatte außerdem die Hoffnung, mich auf diesem Wege von ein wenig Gewicht trennen zu können. Und hier tat sich mein ganz persönliches WM-Debakel auf…

Nach dem Ausscheiden der deutschen Elf sah ich mir völlig tiefenentspannt die Spiele anderer Mannschaften an. Es gibt da manchmal eine gewisse Poesie, die allein durch die Namen entsteht, wenn der Kommentator Dinge ruft wie „Lustig! Lustig!“ oder „Achtung, Berg vorm Tor!“ – dann wußte man zum Beispiel, dass da Schweden spielt.
Aber es gab da noch eine andere Dimension. Schon die Vorrunde hatte auf meiner Waage mächtig zu Buche geschlagen.
Als Japan spielte ging es noch. 90 Minuten lang hieß es Kosuke Nakamura, Nagamoto, Kawachima, … – und ich dachte die ganze Zeit Tekka Maki, Wasabi, Gomawakame, …
Am Ende bestellte ich mir eine riesige Portion Sushi.
OK, Sushi ist ja immerhin noch einigermaßen gesund. Aber dass ausgerechnet die Kroaten bis ins Finale kommen mussten, dass hat mir endgültig das Genick gebrochen.
Kovacic, Brozovic, Rakitic… und am nächsten Tag zog es mich in den Schlossparkgrill, zu einer Pusztaplatte, mit roten Zwiebeln, Unmengen Ketchup. Und einem Slivovic obendrauf.
Der Bereich in meinem Gehirn, der für gesunde Ernährung zuständig ist, schob wochenlang Katastrophendienst. Ich habe dann eine Zeitlang versucht, mit Gemüsechips gegenzusteuern, aber auch das ohne Erfolg.
Ich will das jetzt auch gar nicht weiter ausbreiten, sagen wir einfach: es war ein langer Weg bis diese WM bei Mousse au Chocolat und einem Gläschen Chardonnay ihr verregnetes Ende fand. Und so schultere ich nun meine Sporttasche. Nach der WM ist vor der WM.
Dieser Weg wird kein leichter sein.