Von Koniferen und Trampolinen

Zugegeben, ich bin auch nicht immer ganz aufmerksam was die deutsche Sprache betrifft. Gerade habe ich zum Beispiel in einem Artikel das Wort „Meerenge“ gelesen und es dauerte eine ganze Weile, bis ich aus dem Zusammenhang schloss, dass es sich hier mitnichten um den südamerikanischen Tanz handelt, bei dem man mit dem Hintern liegende 8en in die Luft malen muß.
Andererseits hege ich eine große Liebe zu den Worten und begegne immer öfter Formulierungen, bei denen sich meine Nackenhärchen so zackig aufstellen wie die Halskrause bei diesen fiesen Dinos in Jurassic Park.
Wenn jemand „das einzigste“ sagt. Oder „insofern, dass“ statt „insofern als“.
Wenn jemand ganz Berlin tut und dann „Gott weh De“ sagt statt jwd.
Ok, Feinheiten. Nennen Sie mich einen Klugscheißer. Aber sowas schmerzt mich halt immer ein bißchen. (Es ist so ähnlich wie mit den Leuten, die beim Fahrstuhl immer beide Knöpfe drücken, nach oben und nach unten. Wenn man vorsichtig nachfragt sagen sie empört Sachen wie „Na ich weiß doch nicht, ob der Fahrstuhl von oben oder von unten kommt?!“
Aber das ist eine andere Geschichte.)

Jedenfalls gibt es mitunter auch Wortschöpfungen, die die Fantasie beflügeln, noch bevor der Schmerz einsetzt. Neulich im Bus zum Beispiel erzählte eine Frau, sie käme gerade von einer Veranstaltung, bei der eine Rhythmusgruppe aufgetreten sei. Dort habe sie doch glatt eine Kollegin entdeckt, die ganz toll das Trampolin spielte.
– Na? Haben Sie auch ein Bild von der Szene in ihrem Kopf?
Würde ich meine Kollegin bei einem Straßenfest auf einem Trampolin inmitten einer Rhythmusgruppe vorfinden – ja, ich glaube, ich wäre auch überrascht.

Eine weitere Wortschöpfung stieß mir neulich zu, die ich so genial finde, dass ich sie womöglich in meinen Wortschatz integrieren werde. „Ick habe immer noch Problem mit det Knie. Ick soll nochmal zu so´n andern Arzt gehen, det soll ne echte Konifere sein.“
Ich schloss die Augen.
Dürre dozierende Nadelgewächse in weißen Kitteln flanierten durch meine Gedanken. Halbholz in Weiß. Lehre an der Baumschule.

Auch in der Kirche werden manchmal interessante Sätze gesagt.
Beim letzten Adventsgottesdienst machte sich der Pfarrer in seiner Predigt Gedanken über das Lied „Macht hoch die Tür / Die Tor´ macht weit“ und stellte nach einer dramatischen Pause die Frage: „Welche Thoren sind hier gemeint?“ Auch sprach er über „die Mauer und dessen Fall“ und sagte dann doch noch irgendwas sehr Kluges, das in dem unglaublichen Nachsatz mündete „…wie es in diesem schönen, wenn auch orientalischen Sprichwort heißt.“
Herrje.
Hier spricht die Sprache Bände.
Als Chorsängerin war ich mal bei einer Hochzeit. Der Pfarrer wirkte schon die ganze Zeit nicht gut drauf, vielleicht hatte er Stress mit seiner Frau, man weiß es nicht. Jedenfalls schloss er die Trauung mit den Worten „Auf dass der Tod Euch scheide.“
Na dann: Amen.