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Blauer Himmel, roter Faden

Neulich bin ich anlässlich meines Geburtstages gefragt worden, ob es eine Art roten Faden gäbe, der sich durch mein bisheriges Leben zieht. 
Darüber denke ich seither nach, auch jetzt, während ich über den alten Bauernhof schlendere, durch die alte Scheune hindurch, dann den Hügel hinauf zu den Streuobstwiesen. 
Von hier aus hat man einen atemberaubenden Blick auf das Brandenburger Nirgendwo, in das mich meine Sehnsucht nach Horizont heute verschlagen hat. Hier und jetzt halte ich einen geschätzten Mindestabstand von 1,5 km zum Rest der Menschheit ein, ganz freiwillig, es ist herrlich. 
Auf der Wiese suche ich einen Lieblingsplatz, breite meine Jacke aus und drehe mich wie ein Hund dreimal um die eigene Achse, bevor ich mich niederlasse. Mit dem Rücken lehne ich an einem alten Apfelbaum, die Art von Baum, die aussieht als hätte sie eine Menge zu erzählen. Ich schließe die Augen und lausche eine Weile. 
Die Feldlerchen machen Rabatz, der Sound erinnert ein wenig an den jungen R2D2, auch die Kohlmeisen zwitschern und der Ruf eines Schwarzspechtes knattert durch die frische Luft. Alles ruft Ich! Ich! Hier! 
Frühling, endlich. 
Zufrieden blinzele ich in die Landschaft. 
Weiter hinten am Hang erspähe ich Weidenkätzchen, stolz recken sie ihre Zweige in die Sonne. Ich gebe dem Impuls nach und laufe hin, um ihre frischen flauschigen Knospen anzufühlen. Ein herrliches Gefühl. 

Und eine Erinnerung meldet sich… 

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Sehnsucht nach dem Sommerloch

Was für ein Sommer.
So sehr man danach suchte, kein rechtes Sommerloch wollte sich auftun. Sami A., Donald T., Chemnitz, Lunapharm, irgendwas war immer und schön war es selten. So dass man sich irgendwann im Stillen richtig danach sehnte, jemand möge endlich ein Krokodil im Baggersee aussetzen. Mir fehlte etwas ohne dieses vertraute Gefühl heiterer gemeinschaftlicher Aufregung unter der Sommersonne.

Gut, da gab es schon ein paar Randnotizen, die mir Spaß gemacht haben.
Dass die Drogerie Kette dm das Parfum von Helene Fischer, nachdem dieses beim ÖKOtest mit ungenügend durchgefallen war, mit Warnhinweisen versehen hat, zum Beispiel. In diesen wird darauf hingewiesen, dass man die Substanz nicht rauchen, nicht anzünden und nicht in die Hände von Kindern gelangen lassen sollte. Bis hierhin ist das ist noch nicht so überraschend. Aber dm riet weiter – und da wird es wirklich interessant – dass die Freisetzung des Duftes in die Umwelt vermieden und der Behälter stets dicht verschlossen gehalten werden sollte. Wenn man es dennoch wagen wolle, seien Schutzhandschuhe und eine Atemschutzmaske zu empfehlen. Sehnsucht nach dem Sommerloch weiterlesen

Mottowochen

Als meine Kinder klein waren, haben sie manchmal Worte erfunden. Weil sie Schwierigkeiten mit der Aussprache hatten, zum Beispiel: Joghurt hieß bei uns lange Loluk, Knoblauchkrabbensalat Nüpapabbe und Eichhörnchen nennen wir auch heute noch liebevoll Hossassa. Meine Freundin Kirsten war damals latent genervt und riet, wir sollten uns doch mal freiwillig beim Bundesnachrichtendienst melden, zum Verschlüsseln von Nachrichten, diese Codes würde im Leben kein normaler Mensch knacken.
Amina, die Tochter unserer Freunde, erfand damals übrigens die Kamütze. Und ich bin auch heute noch dafür, dass dieses wunderbare Wort in den Duden aufgenommen wird.
Doch irgendwann dann, etwa in der Zeit, wo sie aufhören niedlich zu sein, ändern sich die Themen. Und schwupp sind sie 18 und machen – möglicherweise – Abitur. Sie können komplizierte Worte wie Mojito und Caipirinha akzentfrei aussprechen und finden Eltern sehr peinlich, die beim Anblick eines Eichhörnchens im Stadtpark begeistert Hossassa! rufen.  Mottowochen weiterlesen

Politisch korrekt

Sprache hat eine große Kraft. Eine Gesellschaft spiegelt sich in den Worten wieder, die sie benutzt. Davon bin ich zutiefst überzeugt und ich denke, dass ich dafür ein ganz gutes Gespür habe. Eigentlich. Als Sozialarbeiterin kenne ich die Debatten darüber gut, in welcher Weise man „politisch korrekt“ zum Beispiel über Menschen mit Demenz oder Menschen mit Behinderung spricht.

Und dennoch – manchmal komme ich ins Schleudern.
Das liegt natürlich auch daran, dass sich alle Jubeljahre wieder ändert, was gerade „politisch korrekt“ ist.
Ich komme darauf weil ich gerade in der Küche stand, mit der ersten Tasse Kaffee in der Hand, zugegeben noch etwas verschlafen. Ich hörte Inforadio. Die Verkehrsmeldungen:
„Wegen des Laufes für Inklusion kann es heute im Straßenverkehr zu Behinderungen kommen.“

Au weia, dachte ich spontan. Dürfen die das sagen, Behinderungen? Politisch korrekt weiterlesen

Von Spatzen und Tentakeln

Das Plakat zeigt Swen Schulz im vertrauten Gespräch mit einer Spandauer Bürgerin.
Vertraut deshalb, weil sie nah beieinander sitzen, in lockerer Pose, auf einem Treppenabsatz.
Bürgerin deshalb, weil sie ergeben zuhört und er gestikuliert.
Spandau deshalb, weil die Frau aussieht als wäre sie gerade aus dem Florida Eisladen gekommen. Es fehlt nur noch das Shirt mit der Aufschrift Florida formte diesen wunderbaren Körper. Ich darf so was sagen, ich bin selbst sehr – sagen wir – groß, und manchmal, am Bahnhof Zoo, zeigen staunende Touristen auf mich. Auf meinem T-Shirt stünde Ich bin zwei Japanerinnen.  Aber das ist ein anderes Thema.
Swen Schulz also, SPD, zeigt plakativ jacketlose Kompetenz. Darunter in Großbuchstaben die Worte: ZUERST MENSCH.

Jedes Mal, wenn ich an diesem Plakat vorbei radle, lese ich das. Zuerst Mensch. Und jedes Mal denke ich – und… dann? Von Spatzen und Tentakeln weiterlesen

Sehnsucht nach Rauchzeichen

Ich stehe in der Küche. Mein Induktions-Herd hat sich ausgeschaltet, weil er mich vor irgendeiner Gefahr beschützen will, die ich nicht sehe. Die Nudeln sind noch jenseits von al dente, ich habe Hunger, die Kindersicherung blinkt und ich finde die Bedienungsanleitung nicht.
Im Radio reden sie darüber wie man Organe mit 3D-Druckern herstellen kann.
Und ich habe es heute Morgen nicht mal geschafft, die Verteiler-Liste für die Lesebühne in Outlook zu importieren. –
Wann ist mein Leben so kompliziert geworden?

Mittlerweile kann ich die Aussteiger verstehen, die ihre Handys verschenken,  in abgelegene Hütten ziehen und ihr Gemüse selbst anbauen.
Es ist soweit, dass ich mich nach offenem Feuer sehne. Ehrlichem Holz. Sehnsucht nach Rauchzeichen weiterlesen