Schlagwort-Archive: Familie

Im Zug nach Zug

Die Zugtüren schließen und mit sanftem Geruckel beginnt die letzte Etappe meiner Reise. Es ist kurz vor Sonnenuntergang, in einer Viertelstunde geht die Show los und ich werde erst in einer halben Stunde auf der Bühne eintreffen, was mich unter anderen Umständen wahnsinnig stressen würde – aber gemessen am Verlauf des Tages ist das eine wirklich, wirklich gute Nachricht. 
Der Zug ist fast leer, ich mache es mir gemütlich und lasse meinen vermutlich etwas irren Blick aus dem Fenster schweifen. Bereits kurz hinter Zürich verwandelt sich die Landschaft in eine Art Ansichtskartenkatalog. Berge, Seen, Wolkenmeere, umrahmt von zauberhaften Häuschen mit in der Abendsonne glänzenden Dächlein, hier und da flanieren adrette, glückliche Menschen – meine Berliner Synapsen sind überfordert.  
„Puppig!“ hätte mein Vater begeistert gerufen, ein Wort, dessen Existenz mir bis gerade eben völlig entfallen war, und das für meinen Vater ein Ausdruck größter Anerkennung war. Eine Fußgängerzone, eine Sammeltasse, ein hübsches Kleid konnte er puppig finden, wobei die Besonderheit war, dass er es schaffte, das Wort wie ein Berliner Bauarbeiter, der er nun mal war, auszusprechen, er sagte es wie andere Leute in der Kneipe sitzen und Jibs do nich sagen oder Zieh uff Null, die Pfütze und das muss man ja auch erstmal schaffen.
Puppig! ruft es also in mir und es passt, denn wie immer, wenn ich durch die Schweiz reise, fühle ich mich ein bisschen, als hätte man mich in eine Art Puppenstubenszenario gebeamt, umgeben von einer enormen Modelleisenbahnlandschaft. Meine Gefühle schwanken permanent zwischen Begeisterung und Irritation. 

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„Gute Momente“ bei der Ladies Night

Ladies Night Susanne M. Riedel © WDR/M.Grande

Leute! Ich war bei der ARD Ladies Night in Köln und hatte dort sehr viel Spaß mit den tollen Kolleginnen Lisa Feller, Katie Freudenschuss und Franziska Wanninger. Schaut euch ruhig die ganze Sendung in der Mediathek an, hier geht’s zu meinem Auftritt:

https://www.ardmediathek.de/video/ladies-night/susanne-m-riedel-oder-13-04-2024/das-erste/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLXNvcGhvcmEtNWUwNzRiYjktYmFiNi00ODMwLWI0YTktOGMxOTA1YWM0YjZj


Ja / Nein ?

„Ist das jetzt eigentlich typisch deutsches Essen?“ fragt mein jüngerer Sohn mit Blick auf seinen Teller. „Du meinst wegen der braunen Sauce?“ fragt der ältere zurück und kriegt darauf ein Highfive von seiner Freundin.

Mit den Dreien zusammen am Tisch zu sitzen ist meist sehr unterhaltsam. Außerdem eröffnet es die Möglichkeit, in beiläufigen Gesprächen ein wenig ins Teenager-Universum einzutauchen. Man will ja den Anschluss nicht verlieren. „Mein erster Freund ist gerade Vater geworden“, erzählt Emmy, „habe ich auf Instagram gesehen. Voll krass. Aber es war eigentlich auch nicht mein richtiger Freund-Freund, es war mein WhatsApp-Freund.“ 
Offensichtlich bemerkt sie das Fragezeichen über meinem Kopf „Der war an meiner Schule, wir haben und immer ganz verliebt geschrieben. Aber getroffen haben wir uns eigentlich gar nicht. Hach, das war voll schön, eigentlich…“ 
Mein Sohn lässt diese Bemerkung gelassen an sich abperlen. 
„Da sieht man wieder deutlich unseren Altersunterschied“ erwidert er nur. „Meine erste Freundin war noch eine SMS-Freundin.“ 

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Mottowochen

Als meine Kinder klein waren, haben sie manchmal Worte erfunden. Weil sie Schwierigkeiten mit der Aussprache hatten, zum Beispiel: Joghurt hieß bei uns lange Loluk, Knoblauchkrabbensalat Nüpapabbe und Eichhörnchen nennen wir auch heute noch liebevoll Hossassa. Meine Freundin Kirsten war damals latent genervt und riet, wir sollten uns doch mal freiwillig beim Bundesnachrichtendienst melden, zum Verschlüsseln von Nachrichten, diese Codes würde im Leben kein normaler Mensch knacken.
Amina, die Tochter unserer Freunde, erfand damals übrigens die Kamütze. Und ich bin auch heute noch dafür, dass dieses wunderbare Wort in den Duden aufgenommen wird.
Doch irgendwann dann, etwa in der Zeit, wo sie aufhören niedlich zu sein, ändern sich die Themen. Und schwupp sind sie 18 und machen – möglicherweise – Abitur. Sie können komplizierte Worte wie Mojito und Caipirinha akzentfrei aussprechen und finden Eltern sehr peinlich, die beim Anblick eines Eichhörnchens im Stadtpark begeistert Hossassa! rufen.  Mottowochen weiterlesen

Sehnsucht nach Rauchzeichen

Ich stehe in der Küche. Mein Induktions-Herd hat sich ausgeschaltet, weil er mich vor irgendeiner Gefahr beschützen will, die ich nicht sehe. Die Nudeln sind noch jenseits von al dente, ich habe Hunger, die Kindersicherung blinkt und ich finde die Bedienungsanleitung nicht.
Im Radio reden sie darüber wie man Organe mit 3D-Druckern herstellen kann.
Und ich habe es heute Morgen nicht mal geschafft, die Verteiler-Liste für die Lesebühne in Outlook zu importieren. –
Wann ist mein Leben so kompliziert geworden?

Mittlerweile kann ich die Aussteiger verstehen, die ihre Handys verschenken,  in abgelegene Hütten ziehen und ihr Gemüse selbst anbauen.
Es ist soweit, dass ich mich nach offenem Feuer sehne. Ehrlichem Holz. Sehnsucht nach Rauchzeichen weiterlesen

Mutterntag

Waren Sie mal im Baumarkt? Haben Sie mal nachgesehen, wie viele Arten von Muttern es gibt?!
Spindelmutter… bin ich so oft. Drehe mich um mich selbst. Sehnsüchtig blicke ich dann auf und beobachte all die Flügelmütter dort oben. Und spinne doch meinen Faden weiter.
Für meine Kinder bin ich immer da. Ich beschütze sie, werde zur Ringmutter. Wenn ich schlecht drauf bin auch zur Schnappmutter. Und wenn mir einer ganz blöd kommt, macht er schon mal Bekanntschaft mit der Blindnietmutter. (Meine Kinder gucken dann immer ganz erstaunt.)
Zuweilen aber ist diese Mutter auch eine Käfigmutter. Wirklich schlimm wäre es erst, wenn sie nicht mehr versuchte auszubrechen.
Die Kontermutter.
Oft Schweißmutter.
Und wenn ein kleiner Sechsjähriger dann zwischen Abendbrot und Zahnbürste sagt „Mama, Du siehst aus wie eine Prinzessin!“
Dann – ja, dann bin ich die
Kronenmutter.

Das schöne Leben

Berlin. Nieselregen. Der Helm sitzt.

Montagmorgen, 7 Uhr 40, mit dem Fahrrad auf dem Weg zum Regio nach Spandau. Bei den ganzen Insekten am Kanal hat man quasi schon gefrühstückt, wenn man am Bahnhof ankommt. Der kleine Eiweißshock, denke ich müde… Motte Machiato…
Aber das wirklich nervige Summen geht immer erst im Zug los: Hunderte von Pendlern dämmern im Ist-das-Wochenende-wirklich-schon-vorbei-Modus vor sich hin. Lehnen die verkaterten Stirnen an die vibrierenden Fensterscheiben, während ringsum munter Smartphones aller Couleur tönen und summen.

Ich bin kein Freund von Schubladendenken. Eigentlich. Andererseits… Das schöne Leben weiterlesen

Von Sauerflatterern und Sorglosverkäufern

In der Wissenschaft werden verschiedene Stadien beschrieben, die man bei der Entwicklung von Sprache im Kindesalter beobachten kann. Über den Punkt allerdings, an dem die Rückentwicklung einsetzt, habe ich bisher nichts gefunden. Vielleicht sollte ich mal ein paar Sprachwissenschaftler zu uns nach Hause einladen?
Doch eines nach dem anderen.

Zu meinem Hintergrund sei erwähnt, dass ich sozusagen in einem Männerhaushalt lebe. Mein Mann und meine beiden Söhne , 12 und 17, sind herzallerliebst – aber machen es mir zuweilen doch recht schwer, klassisch weiblichen Bedürfnissen, beispielsweise nach Kommunikation oder Tischgestaltung, nachzukommen. Ja, liebe Freundinnen und Freunde der Genderbewegung, irgendwo müssen die Klischees ja herkommen. Ihr müßt jetzt einfach mal tief atmen. Von Sauerflatterern und Sorglosverkäufern weiterlesen